Letzte Änderung: 23. März 2018

Jessup Moot Court

Unter den vielen verschiedenen Wettbewerben ragt der Philip C. Jessup Moot Court als traditionsreichster, größter und mit Abstand bekanntester heraus.

Die "Anwälte" vertreten Staaten in einem fiktiven Verfahren vor der Richterbank des Internationalen Gerichtshofs (IGH). Weltweit nehmen über 500 Universitäten aus mehr als 80 Ländern teil. Studierende aus der ganzen Welt bearbeiten denselben völkerrechtlichen Fall, der im September eines jeden Jahres herausgegeben wird. Thematisch geht es dabei jeweils um aktuelle völkerrechtliche Fragestellungen. Für jede Partei muss je ein Schriftsatz (Memorial) im Umfang von ca. 30 Seiten angefertigt werden. Die Memorials für den Ankläger (Applicant) und den Beklagten (Respondent) müssen im Januar abgegeben werden. Ab Mitte Januar beginnt somit die Vorbereitung auf die mündlichen Plädoyers (Pleadings). Dieses rhetorische und inhaltliche Training ist für das Abschneiden des Teams entscheidend. Im Februar findet die Nationalausscheidung statt. Die zwei besten Teams fliegen im März nach Washington, um Deutschland in den internationalen Runden zu vertreten.
 

Erfahrungsbericht von Eileen Wolmerath, Lisa Koslowski, Friederike Zahner und Tim Potthast zur Teilnahme am Philip C. Jessup Moot Court 2016/17:

Schritt 1: Die Schriftsätze

Unsere erste Arbeitsphase bestand aus dem Verfassen der Schriftsätze für den Kläger- (Applicant) und den Beklagtenstaat (Respondent). Inhaltlich behandelte der Sachverhalt vier Klagepunkte bestehend aus der Nutzung eines grenzüberschreitenden Grundwasserspeichers, der Beschädigung eines Weltkultur- und Naturerbes, der Rückgabe eines Kulturguts und der Kompensation von Flüchtlingskosten. Zunächst haben wir die Klagepunkte unter uns aufgeteilt, die grundlegende Recherche geleistet und erste Entwürfe unserer Argumente verfasst. Gleichzeitig begannen wir das mündliche Präsentieren zu üben, um an Sicherheit zu gewinnen und uns hinter dem Pult wohlzufühlen. Dafür erhielten wir im November auch ein erstes Rhetorikseminar durch „Campus for Company“, der studentischen Unternehmensberatung an der RUB. Nach eineinhalb Monaten entschieden wir uns, unsere Kräfte zu bündeln und die Klagepunkte gemeinsam nacheinander abzuarbeiten. Bei den wöchentlichen Treffen mit unseren Coaches wurden unsere Argumente immer wieder darauf überprüft, ob sie logisch sind. Die rechtlichen Probleme haben uns auch noch abends zu Hause beschäftigt. Wir waren mehrfach an dem Punkt, dass wir meinten den Durchbruch für ein bestimmtes Problem geschafft zu haben und dann bei weiterer Recherche zu dem Ergebnis gelangten, dass eine bestimmte Argumentationsweise doch nicht funktioniert. In dieser Situation machten wir uns immer wieder bewusst, dass wir uns mit zum Teil ungelösten Problemen des Völkerrechts beschäftigen und es nicht unsere Aufgabe ist, die „objektive Wahrheit“ herauszufinden, sondern für unsere Mandanten logisch und strukturiert zu argumentieren. Beim Feinschliff der sprachlichen Ausgestaltung und Argumentation haben wir von unseren Coaches auch noch einmal kurz vor der Deadline für das Einreichen der Schriftsätze viel Unterstützung erhalten. Unsere intensiven Recherchen wurden mit dem zweiten Platz für den Applicant-Schriftsatz belohnt. Insgesamt erreichten wir mit den Schriftsätzen Platz 4 von 20, mit nur 3 Punkten Rückstand auf Platz 2.

Schritt 2: das Plädieren

Nach Abgabe unserer Schriftsätze begann die Vorbereitung auf das mündliche Plädieren.

Dafür haben wir uns fast täglich mit Proberichtern im Gerichtslabor getroffen. Zudem fand ein Probepleading in der Rechtsanwaltskanzlei Kümmerlein in Essen statt, welches uns die Möglichkeit bot, auch außerhalb unseres „Wohnzimmers“, das heißt des Gerichtslabors der Juristischen Fakultät, auswärts aufzutreten und so den Ernstfall zu üben. Während dieser sehr abwechslungsreichen und anstrengenden Phase erhielten wir zusätzlich ein weiteres Rhetoriktraining durch „Campus for Company“, durch welches unser rhetorisches Auftreten erneut analysiert und verbessert wurde.

Schritt 3: Die nationalen Runden in Passau

An den nationalen Runden im März nahmen 20 Teams teil. Tagsüber hatten wir zwei Pleadings und abends wurde bis spät in die Nacht diskutiert. In den Vorrunden standen wir den Teams der Universitäten aus Bonn, Berlin, Tübingen und Münster gegenüber und konnten drei Siege erringen. Am Freitagabend warteten wir dann beim Announcement Dinner gespannt auf die Verkündung der acht Teams, die in die Viertelfinals einzogen. Wir mussten lange warten, doch wurde schließlich auch unsere Nummer durchgesagt – wir waren unter den besten acht Teams in Deutschland!

Leider sind wir am Samstagmorgen im Viertelfinale knapp gegen das Team aus Freiburg ausgeschieden. Insgesamt erreichten wir den sechsten Platz. Wir hatten eine tolle Zeit in Passau und haben als Team gemeinsam mit unseren Coaches sehr gut harmoniert.

Schritt 4: Fazit

Wir sind sehr stolz auf das, was wir erreicht haben und wir können andere Studierende nur ermutigen, am Jessup teilzunehmen. Der zugegebenermaßen große Arbeitsaufwand sollte nicht abschrecken, denn wer Spaß an internationalen Themen hat, wird den Jessup als bereichernde Erfahrung erleben und als Team wächst man über sich hinaus. Abschließend möchten wir uns gerne bei unseren Coaches Kirsti Tywonek-Brinckmann, Dr.Judit Beke-Martos, Benedikt Behlert und Max Bertamini für ihre wertvolle Unterstützung herzlich bedanken. Weiterer Dank gilt allen Unterstützern und Sponsoren. Nicht zuletzt gilt unser Dank dem großen Netzwerk ehemaliger Bochumer Jessup-Teilnehmer, die uns in den Probepleadings immer wieder durch ihre Fragen „auf den Zahn fühlten“.“

 

Betreuender Lehrstuhl: Lehrstuhl Prof. Dr. Adelheid Puttler, LL.M. in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Internationales (ZfI)

 

Anfragen an jessupmootcourt@ruhr-uni-bochum.de.