Letzte Änderung: 11. Mai 2022

Triage – ein interdisziplinärer Austausch zu Fragen ärztlicher Entscheidungskonflikte

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Mit seinem Beschluss vom 16. Dezember 2021 hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber auferlegt, unverzüglich geeignete Vorkehrungen zu treffen, um im Fall einer Triage jede Benachteiligung wegen einer Behinderung hinreichend wirksam zu verhindern. Dabei ist mit Triage eine Situation gemeint, in der intensivmedizinische Ressourcen nicht für alle Behandlungsbedürftigen ausreichen, sodass über deren Verteilung entschieden werden muss. Nach Ansicht des Gerichts können die bisher bestehenden fachlichen Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) das Risiko einer Diskriminierung durch ärztliches und pflegendes Gesundheitspersonal nicht ausschließen. Damit hat es eine Handlungspflicht des Gesetzgebers aus dem Verbot der Benachteiligung wegen einer Behinderung nach Art. 3 Abs. 3 Satz 2 Grundgesetz abgeleitet.

In der Fachwelt hat die Entscheidung eine lebhafte Debatte ausgelöst. Einerseits wird der Beschluss gerade von Fachverbänden als wirksames Instrument zur Vermeidung von Benachteiligungen begrüßt. Demgegenüber werden aus Fachkreisen deutliche Zweifel gerade an der Tauglichkeit des vom Bundesverfassungsgericht als zulässig erachteten Kriteriums der klinischen Erfolgsaussichten geäußert.

Über alle anstehenden Fragen wollen wir in zwei Online-Veranstaltungen mit Vertretern verschiedener Disziplinen ins Gespräch kommen und laden Sie zur Teilnahme herzlich ein. Das Programm sowie Informationen zur Anmeldung finden Sie HIER.

Prof. Dr. iur. Burkhard Kämper  und  Prof. Dr. iur. Arno Schilberg